Matthias schreibt….

..was neues

20. Januar 2008

Evolution V1.0

An dem Tag, als Gott endlich merkte, dass 7 Tage wohl nicht genug sein würden, um diese Welt zu erschaffen- das war etwa vor 4.553.246.423 Jahren und 359 Tagen, freute sie sich über den glücklichen Umstand, dass sie die Länge von Nacht und Tag ganz alleine bestimmen konnte und es niemanden gab, der da war, um zu beweisen, dass sie es nicht in 7 Tagen geschafft hatte. Sie saß an ihrem Universalrechner, vor einer gigantischen Tastatur und programmierte an einem umständlichen und überaus komplizierten Algorithmus, den sie Evolution V1.0 nannte. Nach einer gewissen Zeit, schaffte sie es- das Programm lief ohne Fehler und Unterbrechungen. So konnte sie sich nach langer und anstrengender Arbeit, endlich wichtigeren Dingen widmen und den alten Rechner namens „Urknall“ den Rest der Arbeit erledigen lassen.

Sie putzte den Himmel, reinigte verstaubte Ansichten und ließ einen gewissen D. Evil einstellen um die anderen Drecksarbeiten zu machen. Kurz nachdem sie schon fast vergessen hatte, dass ihr Rechner noch lief, meldete der einen Fehler und zeigte einen verdächtig blauen Bildschirm-außerdem blinkten die Worte:“..buffer overrun in routine „Ratio“…Evolution V1.0 cannot continue safely“.

Ein kurzer Blick auf die Auswirkungen des aufgetretenen Fehlers und ihr wurde klar, dass hier etwas unwideruflich falsch lief.

Das sehe ich erst wenn ich es glaube

15. Januar 2008

Jedem König seinen thron. Jeder Jungfrau einen Sohn.
Jeder Clique ihre mode. Jedem Junkie seine Droge.
Jeder Dichtung ihre Wahrheit. Jedem Dogma seine Klarheit.
Jedem Dummkopf seinen Führer. Auf jeden Sieger 10 Verlierer.

Jedem Alltag seinen Trott. Jedem Henker sein Schafott.
Jedem weisen seinen Stein. Jedem Helden seinen Schrein.
Jedem Sturm sein Wasserglas. Jedem Heiden seinen Spaß.
Jedem Jäger seine Beute. Jedem Hetzer seine Meute.

Jeder Theorie ihr buch. Jedem Frauenkopf sein Tuch.
Jedem Schihad seinen Krieger. Jedem Krieg sein zweiter Sieger.
Jeder Lösung ihr Problem. Jeder Richtung ihr extrem.
Jedem Wachturm seinen Späher. Jeder Volksfront ihr Judäa.

Jedem Diener seinen Gott. Jedem Henker sein Schafott.
Jedem weisen seinen Stein. Jedem Helden seinen Schrein.
Jedem Sturm sein Wasserglas. Jedem Heiden seinen Spaß.
Jedem Jäger seine beute. Jedem Hetzer seine Meute.

Das hier ist nicht mein Weg raus, denn Flucht ist Illusion.
Für die Schwachen gibt es Regeln, für die Schwächsten gibt es Religion.
Jeder Liebe ihr’n Erfinder. Jeder Revolution die Kinder.
Jedem Richter sein Gesetz. Jeder Szene ihr Geschwätz.

Es gibt kein gutes leben ohne Blasphemie.
Es gibt kein gutes leben ohne Blasphemie.
Es gibt kein gutes leben ohne Blasphemie.
Es gibt kein gutes leben ohne Blasphemie.

(muff Potter)

…mal was ganz anderes

7. Januar 2008

Es ist etwas in den Seelen der Kinder

Ein Gefäß aus zartem dünnen Glas-

geschaffen, das Vertrauen der Kinder zu wahren

; zu schnell bricht es entzwei(!)

weil Erwachsene es mit grober Gewalt behandeln

,dann ist es zerstört

,bricht in tausend Stücke

treibt Splitter in die Herzen und Seelen der Kinder

und das Vertrauen?

in diese Welt?

geht verloren

…eine Geschichte

5. Januar 2008

Mundraub (Matthias Moch)

Der süße Saft des Apfels lief ihm in den Mund. Er hatte seit Tagen nichts gegessen und der Apfel kam ihm vor, wie das beste dass er je gegessen hatte. Vom ersten Bissen an stieg ihm der Duft des Saftes in die Nase und ließ seinen Speichel in den Mund zusammenfließen.
Soviel Hunger hatte er noch nie gehabt. Als die ersten Bissen in seinem Magen angelangt waren, schmerzte sein Bauch.
Seit seine Eltern verschwunden waren, hatte er sich Gedanken gemacht, wie er wohl an etwas Essbares kommen würde und sein Gewissen plagte ihn, gab ihm das Gefühl, das falsche zu tun.
Am Ende war es einfacher gewesen, als er sich hätte jemals träumen lassen. Und der Geschmack des Apfels und die Tatsache, dass er seit Tagen das erste mal wieder etwas zwischen die Zähne und in den Bauch bekam, ließen sein Gewissen endgültig verstummen.
So rot und saftig lagen die Früchte in der Auslage des Händlers neben all den anderen Obstsorten.
Er hatte lange überlegt, was er sich nehmen sollte und dann fiel seine Wahl auf die äußerste Auslage, die einfach näher zum Weg stand und ihm so gestattete, schneller vom Ort seines Diebstahls zu verschwinden.
Als er aber den dicken Händler aus der Tür kommen sah, wollte er nicht länger
zögern und nahm sich einen Apfel aus der Auslage und unmittelbar danach seine Beine in die Hand.
Die Straße entlang, möglichst oft abbiegend, stand er jetzt in einem Hauseingang und ließ sich den Apfel schmecken. Den Dicken hatte er wohl abgehängt, schließlich war er viel zu schnell für den feisten, alten Mann.
„Haltet den Dieb!“
Es fiel im schwer zu glauben was er sah und hörte.
Der Verkäufer hatte sich Hilfe geholt. Auf der anderen Straßenseite sah er einen Haufen von vielleicht zehn Menschen, die, angeführt von den ihm wohlbekannten Händler, erstaunlich schnell auf ihn zukamen.
Ein letztes Mal biss er in den Apfel, und dann rannte er, sich die Frucht in die Jackentasche steckend, davon.
wieder hörte er die rasselnde Stimme des Obst Verkäufers: „Haltet den Dieb!“. Jetzt sah er auch, dass dies nicht ohne Wirkung bei anderen Erwachsenen blieb, die zufällig auch auf der Straße waren.
So dauerte es auch nicht lange, bis er das erste Mal merkte, dass ihn jemand an der Jacke festhielt. Geschickt wand er sich aus seiner Jacke und rannte weiter. Er rannte und rannte, schlug Haken, bog ab wo er konnte, versuchte seine Verfolger los zu werden. Aber wann immer er sich umsah, konnte er immer noch die Umrisse seiner Verfolger sehen. Es schien, als würden sie seine Finten und Täuschungsmanöver ahnen.
Jetzt tat ihm langsam aber sicher auch seine Lunge weh. Die kalte Herbstluft tat ihr übriges. Seine Beine schmerzten und so langsam merkte er auch wieder, dass er seit Tagen nichts wirkliches gegessen hatte. Die wenigen Bisse, hatten seinen Hunger nicht gestillt.
So war es wohl nicht verwunderlich, dass er abgelenkt und unaufmerksam wurde. Er bog in die falsche Straße- vor seinen Augen verschloss sich der Horizont zu einer Häuserwand.
Er war in ein Sackgasse gelaufen.
Verzweifelt versuchte er Häuser Türen zu öffnen, aber vergeblich, alle waren verschlossen.
Der Junge stand am Ende der Straße, mit dem Rücken zu Häusern und mit Blick auf die sich nähernde Menge wütender Erwachsener.
Die Gegend, in die er hier geraten war, war düster und heruntergekommen. Der Putz blätterte von den Fassaden der Häuser und die Fenster waren zu großen Teilen eingeschlagen. Vor einigen Der Häuser standen Mülltonnen, die so voll waren, dass der Müll hervorquoll und ein stechender Gestank die Szenerie vervollständigte. Das Getrampel der sich nähernden Meute hallte durch die Straße und von den Häuserwänden. Er erkannte Polizisten, Männer und Frauen. Alle sahen sie aus, als hätten sie genug Geld, dass ihnen der Verlust eines Apfels nicht wirklich Kopfzerbrechen machen müsste.
Sein Herz schlug schneller. Er kam sich ein wenig so vor, wie ein Tier in der Falle und der Jäger mit seiner Hundemeute näherte sich.
Schließlich standen sie vor ihm. Er hatte die Häuserwand im Rücken und sah jetzt
das zornige Gesicht des Verkäufers.
Dem Verkäufer standen die Schweißperlen von der Anstrengung des Laufens im Gesicht. Er war außer Atem und sah so aus, als würde er demnächst vor ihm zusammenklappen.
„Haben wir den kleinen Taugenichts also doch erwischt..!“
Seine Stimme war rau, rasselnd und er keuchte von der Anstrengung.
„Vielleicht sollten wir dir erstmal eine Tracht Prügel verpassen, bevor wir dich da hinbringen, wo du nicht mehr raus kommst…“
Mit einem lauten Geräusch landeten zwei gestiefelte Füße auf dem Pflaster, die zu einem Jungen gehörten, der etwa 10 oder 11 Jahre alt war.
Die Stiefel nicht geschnürt, die Hose zerrissen, die Haare blau und zu einem Irokesenschnitt frisiert und außerdem stank er und seine Haut war schmutzig.
„Ihr werdet niemanden verprügeln….!“
Die Menge brach lauthals in Gelächter aus. „Wer soll uns denn davon abhalten? Ein
kleiner, stinkender Penner, wie du?“, und wieder gab es ein beipflichtendes Gelächter.
Die kleine Gestalt schien es allerdings ernst zu meinen: „Vielleicht bin ich nicht alleine..?“
„Du scheinst mir ein rechter Schwachkopf zu sein“, entgegnete der Dicke. „Wenn da noch mehr von deiner Art sind, so verprügeln wir euch gleich mit!“, er schien sich aufzuregen und wurde lauter: „verzieh dich also!“.
Der Junge mit den blauen Haaren schien allerdings vollkommen unbeeindruckt und
blieb breitbeinig mit in die Hüften gestemmten Fäusten, vor der Horde wütender
werdender Erwachsener stehen.
Mit ruhiger bestimmender Stimme sagte er: „Ich habe keine Angst und ich werde nicht zulassen, dass ihr dem Jungen etwas tut, ihr solltet euch lieber verziehen!“.
Das schien den Dicken noch mehr in Rage zu bringen: „Für wen hältst du frecher, stinkender Wurm dich eigentlich?“.
„Ich?“
„Wenn du nachts schweißgebadet aufwachst, könnte es sein, dass ich, oder einer von uns der Grund hierfür ist. Wir sind viele, wir sind wütend, verzweifelt und wir haben Hunger. Wir sind vieles, aber eines sind wir nicht: schwach!“.
Kaum hatte er ausgesprochen, da flog, wie zur Bestätigung, eine Getränkedose von
einem der oberen Fenster auf den Kopf eines der Polizisten, prallte ab und blieb
scheppernd auf dem Boden liegen. Aus den umliegenden Häusern sah man
zerlumpte Gestalten aus den Fenstern und Balkonen springen und von der
Hauptstraße bogen an die 20 Gestalten in die Sackgasse ein. Es dauerte nicht lange
und etwa 50 Kinder und Jugendliche hatten die Szenerie umstellt. Jeder und
ede von ihnen mit einem Stock, einem Stein oder anderen Wurfgeschossen
bewaffnet.
Die Wut des Händlers war augenscheinlich, aber auch, dass er nichts unternehmen konnte und wollte, konnte man in seinem Gesicht sehen.
Die Kinder sahen aus, als wären sie zu allem entschlossen und zogen den Kreis enger.
Mit jedem Schritt, den die Kinder auf ihn zu kamen, spürte er ihre Nähe und wurde zuversichtlicher, die nächsten Tage nicht mehr hungern zu müssen. Seit Tagen zum ersten mal empfand er endlich wieder so etwas wie Hoffnung.

…kill the poor

5. Januar 2008

Efficiency and progress is ours once more,
now that we have the Neutron bomb
It’s nice and quick and clean and gets things done.
Away with excess enemy.
But no less value to property.
No sense in war but perfect sense at home–

The sun beams down on a brand new day
No more welfare tax t’ pay
Unsightly slums gone up in flashing light.
Jobless millions whisked away.
At last we have more room to play.
All systems go to kill the poor tonight.

Gonna
Kill the poor Tonight
Tonight… tonight!
Behold the sparkle of champagne
The crime rate’s gone
Feel free again
O’ life’s a dream with you, Miss Lily White.
Jane Fonda on the screen today
Convinced the liberals it’s okay
So let’s get dressed and dance away the night

While they
Kill the poor
Tonight… tonight!

Dead Kennedys

…Punkt 9

5. Januar 2008

Neue Stimmen und neue Lieder
verkünden: wir sind wieder wer
und wer sind eigentlich wir
und ich frag mich: was zum Teufel wollt eigentlich ihr
ach so die neue deutsche Zeitrechnung
beginnt 1954 in Bern
und man zeigt jetzt wieder Flagge und Fahne,
und letzteres sogar gern

Mit warmen visionen von Identität
und der Reflexion auf nulldiät
wird Geschichte vertauscht, verdreht und umgekehrt
hysterisch wer sich da beschwert
und alte Werte im neuen Gewand
als warmer Mantel in stürmischen (ge-)zeiten
die Rückbesinnung aufs Heimatland
als sicheren Hafen in globalisierten Weiten

Autarkes Deutschtum auch im Pop
das wir-gefühl gibt’s noch on top
und ob du wirklich richtig stehst
merkst du wenn dir ein Licht aufgeht
Bratwurstwetter im Radio
modernes Gartenzwergniveau
und welcher Wind hier gerade weht
und wes´ geistes Kind hier Wurzeln schlägt
merkst du wenn dir ein Licht aufgeht
ein Licht aufgeht
ein Licht aufgeht
ein Licht aufgeht
ein Licht.
(und ob du wirklich richtig stehst
merkst du wenn dir ein Licht aufgeht…)

Muff Potter

…the devils arcade

5. Januar 2008

Remember the morning we dug up your gun
The worms in the barrel, the hangin’ sun
Those first nervous evenings perfume and gin
The lost smell on your breath as I helped you get it in
The rush of your lips, the feel of your name
The beat of your heart, the devil’s arcade

You said heroes are needed, so heroes get made
Somebody made a bet, somebody paid
The cool desert morning, then nothin’ to save
Just metal and plastic where your body caved
The slow games of poker with Lieutenant Ray
In the ward with the blue walls, a sea with no name
Where you lie adrift with the heroes
Of the devil’s arcade

You sleep and dream of your buddies Charlie and Jim
And wake with the thick desert dust on your skin

A voice says \”Don’t worry, I’m here\”
Just whisper the word ‘tomorrow’ in my ear
A house on a quiet street, a home for the brave
The glorious kingdom of the sun on your face
Rising from a long night as dark as the grave
On a thin chain of next moments
And something like faith
On a morning to order, a breakfast to make
A bed draped in sunshine, a body that waits
For the touch of your fingers
The end of a day
The beat of your heart, the beat of your heart
The beat of your heart, the beat of her heart
The beat of your heart, the beat of her heart
The beat of her heart, the slow burning away
Of the bitter fires of the devil’s arcade

Bruce Springsteen

…die ist fertig

5. Januar 2008

Der Weg (Matthias Moch)

Über der Stadt lag der Staub des Sommers. Unerbittlich schien die Sonne und erhitzte den Asphalt und die Kalksteine, aus denen die Bewohner ihre Häuser gebaut hatten.
Es war Mittag- die Sonne stand im Zenit und kaum einer ließ sich auf der Straße blicken. Die meisten blieben in ihren Häusern und warteten auf das Ende der Mittagshitze.
Hin und wieder konnte man Lastwagen voll Soldaten über die Hauptstraße fahren sehen, dabei wurde der trockene Straßenstaub aufgewirbelt und in die Vorgärten und Veranden der Kalksteinhäuser getragen, wo einige Einwohner vor der stechenden Mittagssonne Schutz suchten.
Kinderstimmen erfüllten die Nachbarschaft der Hauptstraße. Zwischen Teppichstangen und Wäscheleinen spielten fünf Jungen Fußball, schimpften und johlten wenn Tore fielen.

Einzig die kaum hörbaren Gewehrschüsse und das Trommeln der Maschinengewehre in weiter Ferne, entlarvten die Idylle als scheinbar.
Keiner der Jungen achtete mehr darauf- schon Tage und Wochen, ja Monate wurden sie von diese Geräuschen begleitet. Nichts davon schien ihnen noch ungewöhnlich .
Einer der Jungen schoss ein Tor. Das Geschrei der Jungen war zu laut- so laut, dass die Jungen den schrillen Pfeifton nicht hörten.

Noch kurz bevor die Bombe einschlug wurde es still.
Es schien als stünde die Zeit, als würden die Uhren des Ortes zum Gedenken an
die unschuldig sterbenden eine Sekunde innehalten.

Als die Fliegerbombe einschlug, riss sie einen fünf Meter breiten und zwei Meter tiefen Krater in den Boden.
Kurz nachdem die Explosion der Bombe zu hören war, warf die Detonationswelle alle umstehenden Häuser um und begrub deren Bewohner unter Steinen und Holzbalken.
Rauch, Staub und Asche zogen in Schwaden über die Straße. Der aufkommende Sommerwind, der von der Küste ins Landesinnere blies, ließ das Gesicht eines Jungen zwischen den Wolken aus Rauch und Staub erscheinen.

Tränen liefen ihm über die Wangen und gruben Bahnen sichtbarer Haut in das von Dreck verschmierte Gesicht.
Seine Augen blickten traurig und ernst auf die Ruinen seines Elternhauses.
Stumm weinend lief er Richtung der Reste des Gebäudes, das bis vor kurzem noch seine Welt war.
So viel Gewalt hatte sein Leben ein für allem Mal verändert- kein Stein mehr auf dem anderen gelassen-Was geblieben war, lag ausgebreitet vor ihm.
Wo sollte er hin?
Was sollte er tun?

Er lief bis er in dem Trümmerfeld seines Familienhauses stand und sich umsah.

Wo waren sie?
Wo waren seine Eltern?
zwischen den Trümmern, den Resten der Mauern, die sein Leben waren, fing er an zu wühlen, zu graben, warf Steine zur Seite.
Immer noch liefen ihm Tränen über die Wangen. Er arbeitete schnell und verzweifelt. Zu den Tränen mischte sich der Schweiß der körperlichen Arbeit. Nach einigen Minuten schneller und schwerer Arbeit, sah er blauen Stoff durch den Dreck am Boden scheinen und sein Herz tat einen Sprung, denn er erkannte sofort den Stoff des Kleides, das seine Mutter heute getragen hatte. Nach einigen weiteren Minuten hatte er den Körper freigelegt.
Sie lag mit dem Gesicht nach unten.
Was er von der Haut des Gesichtes sah, war mit Blut bedeckt. Das Blut lief ihr über die Wangen und tränkte den Boden. Keine Regung kam von ihr, kein Atemzug war sichtbar. Er schüttelte sie, versuchte sie zu wecken- es kam ihm vor, als müßte sie doch schlafen.
Sie wachte nicht wieder auf, sondern blieb regungslos liegen.
Er stand auf, um sich auf die Suche nach seinem Vater zu machen und entdeckte beim Aufstehen, dass ein weißer Zettel durch die Finger der rechten Hand seiner Mutter schien.

Er zog ihr das zerknüllte Papier aus der Hand. Grob skizziert befand sich auf der einen Seite des Zettels ein Plan, eine Karte.Der Verlauf der Hauptstraße war erkennbar und er schloss daraus, dass das eine Kreuz wohl seinen Standpunkt angab. Es gab allerdings noch ein weiteres, über dessen Standpunkt er sich nicht sicher war.Bevor er jedoch los konnte, mußte er auf die Suche nach seinem Vater gehen. Im Umkreis seiner Mutter fand er ihn nicht, erst als er sich weiter entfernte, fand er ihn unter Geröll liegend- ein Dachbalken hatte ihm das Rückgrat zerschlagen.

Keine Bewegung.
Kein Puls.
Kein Lebenszeichen.
Also ging er los; der Linie nach die zu dem Kreuz auf dem Plan führte, links der Straße auf einem Feldweg, sich von dem Bombenkrater entfernend, das zerstörte Elternhaus hinter sich lassend.
Ein unsichtbares Band schien ihn an dem Haus festzuhalten, ihn an den Mittelpunkt seines Lebens zu binden. Mit jedem Schritt wurde es wie ein Gummiband länger und länger gezogen, bis es schließlich riss.
Als er den letzten Schritt tat, bevor das Band zu reißen schien, wurde ihm klarer als zuvor, wie alleine er war. Alles was ihm blieb war dieser Zettel mit ein paar Bleistiftlinien. Er wollte nicht weiter, wollte aufgeben, hatte genug.

Er blieb stehen und fing an zu weinen.
Verzweifelt.
Alleine.
Er viel in den Dreck und weinte bitterlich, schlug mit den Fäusten auf den Boden, wollte nicht wahrhaben, was geschehen war.
Wie lange er dort lag und weinte, wußte er nicht, es schien ihm eine Ewigkeit zu dauern, bis endlich keine Tränen mehr waren, die er weinen konnte.

Die Stiefel der sich nähernden Soldaten ließen den Boden in kleinen Wellen erbeben und brachten die Geräusche ihres Näherkommens an die Ohren des Jungen, der am Boden lag.
Der nicht aufstehen wollte. Der genau wußte, dass es gefährlich war liegen zu bleiben, der dennoch liegen blieb.
„Steh auf, du scheiß Moslem!“
Die raue Stimme eines Soldaten ließ ihn aufhören.
„Steh auf!“
Ein stechender Schmerz durchfuhr ihn, als einer der Soldaten ihm in die Seite trat.
Ein Hand packte ihn am Kragen und zog ihn auf seine Füße.
Als er die Augen aufmachte, blickte er in die wütenden Augen eines Soldaten- der wiederum, blickte in die Augen des Jungen und sah nichts als Leere und Trauer.
„Nur ein dummer Bauernjunge.“, sagte er und ließ ihn wieder in den Dreck fallen.
Die schweren Stiefel der Soldaten entfernten sich von ihm.
Er stand langsam auf. Wenn diese Karte alles war,
was er noch besaß, dann wollte er wissen, was sie ihm zeigte.
Es war nicht mehr weit, die Straße machte einen Knick und bog in die Weinberge und ein kleines Stück den Berg nach oben, dort musste es sein.
Sein Blick fiel auf eine Kiste, von dunklem Holz, die unter einem Stein lag. Die Ecken waren zu sehen.
Mit Mühe hob er den Stein und brachte die unscheinbare Kiste hervor. Sie war verschlossen- er benötigte einige Zeit, um das Vorhängeschloss zu öffnen. Schließlich schlug er es mit einem Stein entzwei und öffnete mit Mühe die kleine Truhe, die Schaniere waren verrostet und schwergängig.
In der Truhe befand sich nicht viel.
Ein Füllfederhalter, ein Tintenfass und sieben leere Blätter- dies war alles was er noch hatte.
Er setzte sich auf einen Stein und begann zu schreiben.

…auch nicht fertig;-)

5. Januar 2008

Die Mär von den aufrechten Kindern  (Matthias Moch)

Es war einmal vor langer Zeit, in einem dunklen Wald. Dort, wo der Wald am aller dunkelsten war, und die Blätter einen dichten Vorhang vor die Augen der Wanderer schoben, dort lebte eine alte Hexe zusammen mit ihrem Lehrling. Es begab sich, dass diese Hexe ihr täglich Brot verdiente, indem sie Angst und Schrecken unter die Menschen brachte. Sie verhexte Kinder, die sich im Wald verlaufen hatten und nahm sie zu sich in ihr Hexenhaus.

Einmal dort, mussten die Kinder schuften, um das wenige Wasser und Brot zu bekommen, dass die Hexe ihnen am Ende jeder arbeitsreichen Woche gab.

Die Hexe aber ließ es sich gut gehen und vergnügte sich mit ihrem Lehrling in der Zauberküche, wo sie die meiste Zeit am Tisch saß, und sich von ihm bedienen ließ. Nun war es so, dass die Hexe schon an die siebzehn Jahr´in dem Wald lebte und ein Schar von 30 Kindern um sich versammelt hatte. Die böse Hexe war schlau und wusste, dass die vielen Kinder viel stärker waren als sie und die Hexe längst vertrieben hätten, wenn sie es nur wüssten.

Weil das garstige Weib dies aber wusste, verzauberte sie die Kinder so, dass diese sich untereinander stritten, wer mehr arbeitete, wer mehr krank und hungrig in seinem mit Stroh bedeckten Bettchen lag oder mehr Essen von der Hexe bekam. So kam es, dass sie auf alle Zeit in diesem finstren´ Wald, in diesem dunklen Haus gefangen schienen.

….Und es kam, wie es kommen musste. Eines Tages schlich der Wolf um das Haus!

Die Kinder waren alle noch in ihren Bettchen und träumten von fernen Märkten in großen Städten.

Er schlich sich in den Garten der Hexe und klopfte an die Tür. Dann erhob er seine beeindruckende Stimme (wenn hier die Rede von beeindruckend ist, so bedeutet dies keineswegs, dass die Stimme rau, tief oder gar abgrundtief böse klang! Nein, sie hatte eher Ähnlichkeit mit der Stimme eines Kohlmeisenmännchens, das vor seinem Stimmbruch seiner Männlichkeit beraubt worden war. Sie war so hoch, dass sie imstande war, die Hunde der Nachbarschaft anzulocken, wenn der Wolf sich über etwas besonders aufregte.).

…Teil einer unfertigen Geschichte

5. Januar 2008

Autos.

Sirenen.

Rennende Menschen.

Wo auch immer er hinsah, er sah nur weiß.

Autos fuhren an ihm vorbei und wirbelten die Asche wieder auf, die sich eben erst gelegt hatte. Ungläubig ging er weiter, schon weil er wissen wollte, was hier eigentlich vor sich ging.

Die verzweifelten Gesichter sprachen Bände- etwas furchtbares musste passiert sein. Überall sah er weinende Menschen, die aber alle von ihm weg liefen. Er hörte Hubschrauber und blickte nach oben. Dort, wo eigentlich die zwei Türme sein sollten, entdeckte er nichts.

Ein klaffendes Loch.

Eine Wunde im Horizont.

Einen leeren Himmel.

Als hätte sich der Boden aufgetan und sie verschluckt. Er sah nur noch Staub und Dreck, der durch die Luft zog aber von den beeindruckenden Türmen, unter denen er schon so manches mal gesessen hatte, nur um in die Luft zu starren und sich vor zu stellen, wie es von dort oben wohl aussehen würde.

Manhattan zu Füßen.

Erhaben.

Nicht am Boden, sondern ganz oben.

Sich einmal fühlen, als gehörte ihm die Welt. Und jetzt?

Eine klaffende Wunde. Ein leerer Eindruck. Ein tiefer Einschnitt in die Perspektive.

Die nächsten Stunden kamen ihm vor, als hätte er einen schlechten Traum. Er setzte sich auf etwas, dass aussah, wie ein Kiste. Und ließ die Eindrücke auf sich wirken. All der Lärm. Die laufenden Menschen.

Panik. Angst. Flucht. Die Sirenen der Feuerwehr, der Polizei im Ohr. Überall Menschen. Überall Asche und Staub. Der Dunst legte sich auf seine Kopf und ließ seine Haare ergrauen, ließ ihn älter werden, in kurzer Zeit. Seine Haut wurde heller und fahler. Er sah jetzt aus, wie hier alle aussahen. Mit der Zeit, die verging, legte sich die Wolke über Manhattan und schaffte es, dass alle Menschen zum ersten Mal aussahen, als wären sie wirklich gleich. Selbst an der Kleidung, war nicht mehr zu unterscheiden, wer hier arm und wer reich war. Auch die Hautfarben der Menschen wurde einheitlicher…



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